Solidarität PUR


Ein großes integratives Experiment wurde mit der Aufnahme von 88 ukrainischen Kindern und Jugendlichen am PUR gewagt. Dabei wurden die ukrainischen Gäste in Kleinstgruppen direkt bei den teilnehmenden Gruppen untergebracht, schliefen mit ihnen in ihren Zelten, kochten und aßen mit ihnen und nahmen gemeinsam am Programm teil … so zumindest der Plan. Bei der Planung und Umsetzung hat uns das Vertriebenenmanagement des Landes Salzburg und allen voran ihr Koordinator Reinhold Mayer unterstützt. Dennoch war es ein gewagter Plan, denn die Sprachhürde zeigte sich trotz Dolmetscher:innen als größtes Hindernis und die Vorstellungen von einem Pfadfinderlager waren unterschiedlicher als wir selbst angenommen hatten. Für viele gastgebenden Gruppen war die Herausforderung dabei sehr groß und wir möchten allen nochmals herzlich danken, dass sie sich auf dieses Projekt eingelassen haben. Für viele unserer Gäste war das Leben als Pfadfinder und Pfadfinderin nach einigen Tagen dann doch zu viel. Immerhin haben sich aber 34 Ukrainer und Ukrainerinnen im Kreis der Pfadfinder:innen sehr wohl gefühlt, sind bis zum Ende des Lagers bei ihren Gastgebergruppen geblieben und haben enge neue Freundschaften gefunden. Etwa ein Drittel mag jetzt wenig klingen, ist es aber nicht, wie uns auch die Expertinnen vom österreichischen Integrationsfond versicherten, die unser Projekt begleiteten. Unser Fazit: Der Versuch ist mit Anlaufschwierigkeiten dennoch als geglückt zu bewerten und wir konnten den meisten der teilnehmenden ukrainischen Kinder und Jugendlichen zumindest ein paar Tage Abwechslung und Abenteuer in ihr Leben bringen.




Das Projekt im Detail

Mai 2022
Gemeinsam mit dem Flüchtlingskoordinator für das Land Salzburg, Reinhold Mayer, hat das PUR-Team entschlossen vertriebenen Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine, die sich derzeit in Salzburg aufenthalten einige schöne und erlebnisreiche Tage im Sommer zu ermöglichen.

Juni 2022
Die Gruppen erklärten sich bereit zwei oder mehr ukrainische Kinder und Jugendliche am PUR als Gäste in den Altersstufen für GuSp (10 bis 13 Jahre), CaEx (13 bis 16 Jahre) und RaRo (ab 16 Jahren) unterzubringen. Von 49 teilnehmende Gruppen haben sich 48 dazu entschlossen Gäste aus der Ukraine aufzunehmen … was für eine solidarische Erklärung unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Juni 2022
Gemeinsam mit der offiziellen Flüchtlingshilfe des Land Salzburg und der ukrainischen Gemeinde in Salzburg wurde abgestimmt, wieviele Kinder und Jugendlichen tatsächlich teilnehmen wollen.

Wir meldeten uns bei den Gruppen und gaben die tatsächliche Menge der Kinder und Jugendlichen für die Altersstufen bekannt.

5. Juli 2022
Bei einer Veranstaltung in der Flüchtlingsunterkunft in Buch bei Salzburg wurde das Projekt den Gästen aus der Ukraine vorgestellt. Ein erstes Kennenlernen konnte dabei stattfinden.

Juli 2022
Über das Flüchtlingsmanagement wird die Anmeldung abgewickelt. 105 ukrainische Kinder und Jugendlichen melden sich an.

Die Pfadfindergruppen versuchten noch selbstständig  Kontakt mit den ukrainischen Kindern und Jugendlichen herzustellen um sich kennenzulernen. Die Flüchtlingshilfe und das PUR waren dabei behilflich.

1. August 2022
Die Anreise der ukrainischen Gäste wurde vom Land Salzburg organisiert. Die PUR Shuttlebusse bringen die Kinder und Jugendlichen vom Hauptbahnhof Salzburg nach Ebenau, pünktlich zum Lagerstart. (Die Gruppen waren zu dem Zeitpunkt zumindest schon zwei Stunden am Lagerplatz und konnten sich schon ein wenig einrichten).

88 ukrainische Kinder und Jugendlichen kommen nun tatsächlich zum PUR. Zwischen 16 und 17 Uhr treffen sie am Lagerplatz ein und werden in die Gruppen aufgeteilt. Für etwa 80% geht das gut, ein kleiner Teil der Gäste ist mit ihrer Zuteilung nicht einverstanden und das große Umschichten beginnt.

Um 18 Uhr hält die Psychologin Frau Dr. Gertrude Bogyi vom Ambulatorium für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen „die Boje“ einen Vortrag über Krisensituationen. Dieser Vortrag richtete sich vor allem an die verantwortlichen Leiter:innen in den Gruppen, die für die kommenden 11 Tage auch die Verantwortung für ihre Gäste aus der Ukraine übernehmen.

Gegen 20 Uhr sind alle Gäste bei ihren Gruppen untergebracht, das PUR kann beginnen.

2. August 2022
Der Integrationsfond stellt mit kommunikativen Spielen das Buddy Programm vor und versucht die aufkommenden Sprachbarrieren zu überwinden.

Offizielle Eröffnungsfeier mit der feierlichen Begrüßung unserer Gäste aus der Ukraine.

3. bis 9. August 2022
Bereits nach ein bis zwei Nächten kommt bei einigen unserer ukrainischen Freund:innen Heimweh auf. Wir können einige jedoch nicht trösten und sie werden von ihren Eltern abgeholt oder das PUR Team bringt die Kinder nach Hause. Ein Junge wird sogar von uns in den Pinzgau gefahren.

Das PUR Team, allen voran die Organisator:innen des Ukraineprojekts, sind ein wenig enttäuscht, weil die Meinung kursiert, das Projekt wäre gescheitert. Immerhin sind am Sonntag 7. August (Besuchertag) bereits die Hälfte der Gäste abgereist.

10. August 2022
Abschlussfest – die Stimmung ist ausgelassen und überschwänglich gut. Man kann die ukrainischen Gäste nicht mehr vom Rest der Pfadfinder:innen unterscheiden. Die, die geblieben sind haben sichtlich großen Spaß und viele neue Freund:innen.

11. August 2022
34 Ukrainer:innen können sich so gut in ihre Gruppen integrieren, dass sie bis zum Ende des Lagers bleiben. Manche überlegen  im Herbst in die regelmäßigen Heimstunden der neu gewonnen Pfadfinder-Freunde zu gehen. Wir sind gespannt.





Freundschaften weiterführen



Daneben sind wir in Kontakt mit dem Österreichischen Integrationsfond getreten um unser Hilfsprojekt durch Expertinnen begleiten zu lassen und auch nach dem PUR weiterzuführen. Für alle Freundschaften, die auf unserem Pfadfinderlager zwischen ukrainischen Kindern und Jugendlichen und Pfadfinder:innen aus Österreich entstehen konnten, gibt es ein weiterführendes Buddy-Programm.

Am PUR wird das Programm allen Kindern und Jugendlichen durch die Expertinnen vom Integrationsfond vorgestellt. Mit gemeinsamen Spielen wird bereits am ersten Tag des Lagers versucht Brücken zwischen den Pfadfinder:innen und den Gästen zu bauen.





Versucht, diese Welt ein wenig besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

Robert Baden-Powell



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© Christina Schreibt