Ebenau PUR


IM DORF DER ALTEN MÜHLEN

So ruhig und beschaulich wie heute war es nicht immer rund um Ebenau. Der Ort hat eine aufregende Vergangenheit hinter sich. Welche fast 400 Jahre alten Spuren du davon am PUR noch entdecken kannst, findest du hier heraus.Der PUR Lagerplatz liegt in der Gemeinde Ebenau. Zwei Dinge hier machen die Gegend perfekt für ein Pfadfinderlager: Das erste ist der viele Wald. Mehr als die Hälfte von Ebenau ist von Wald bedeckt und bietet damit die ideale Umgebung für Erkundungen, Geländespiele und Naturerleben. Das zweite sind die zahlreichen Bäche, die tolle Möglichkeiten zur Abkühlung bieten. Heute ziehen Wald und Wasser neben Pfadfinderinnen und Pfadfinder vielleicht noch andere Menschen an, die einfach eine gute Zeit haben und sich erholen wollen. Wenn man sich so umschaut, kann man es eigentlich gar nicht glauben: Aber früher war hier ein boomendes Industriezentrum!

Ebenau war nämlich einmal in halb Europa für seine wertvollen Metallerzeugnisse berühmt. Dafür lieferten die Wälder das Holz für Kohle, die man braucht, um Eisen oder Messing zu schmelzen. An den Bächen standen Mühlen, die große Hämmer antrieben, mit denen das Metall dann bearbeitet wurde. Zugegeben, das ist lange her. Aber noch heute wird Ebenau deshalb als das Dorf der alten Mühlen bezeichnet. Die Wasserkraft der Bäche war dabei so wertvoll, dass es nicht so schlimm war, dass man andere Rohstoffe für die Messingverarbeitung von wo ganz anders herholen musste.

Im Jahr 1585 gründeten die Brüder Stainhauser das erste Hammerwerk und eine Mühle, in der Draht erzeugt wurde. Damals waren Draht und generell Metallerzeugnisse wirklich wertvolle Dinge. Dieses Geschäft wollte sich der berühmte Erzbischof Paris Lodron natürlich nicht entgehen lassen. Schon seine Vorgänger hatten die Mühlen und Messingwerkstätten in Ebenau gefördert. Paris Lodron kaufte 1622 die Betriebe von Ebenau auf, um damit seine Macht auszubauen.

Warum war Ebenau so spannende für den Erzbischof? Von 1618 bis 1648 wütete in Europa der Dreißigjährige Krieg. Für die Bevölkerung hatte dieser lange Konflikt schreckliche Folgen. Das Geschäft der Metallverarbeitung lief aber so gut, dass es neben dem Salz zur wichtigsten Einnahmequelle der Erzbischöfe wurde. In dieser Zeit sollen etwa 200 Menschen in den Messingbetrieben von Ebenau gearbeitet haben.

Die Ansicht um das Jahr 1727 zeigt das ehemalige Messingwerk und den Eisenhammer von Ebenau zur Zeit seiner wirtschaftlichen Blüte. Diese Werks- und Wohnsiedlung bestand damals unter aderem aus einem Gotteshaus (1), Schmelze (5), Kupferhammer (8), Eisenhammer (9), Wirtshaus (13) und einer Mühle (16).

© Landesarchiv Salzburg

Sie lebten mit ihren Familien gleich neben den Produktionsstätten. Der Boom lockte auch eine Familie berühmter Waffenschmiede aus Thüringen nach Ebenau: Von 1639 bis in die 1690er Jahre produzierten drei Generationen der Familie Klett ihre Büchsen (eine alte Form von Gewehr) in Ebenau.

Mit der Nachfrage nach den dort produzierten Gütern wuchs nicht nur die Bevölkerung von Ebenau sondern auch die Siedlung und Anzahl ihrer Gebäude. Neben einer Kirche und den verschiedenen Produktionsstätten und Unterkünften entstanden Verwaltungsgebäude und ein Wirtshaus.

Radschlossgewehr aus dem Jahr 1657 vom Büchsenmacher Cornelius Klett (1636–1661) aus Ebenau.

© Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Die Messingindustrie lief lange sehr gut. Doch wie so oft wendete sich schließlich das Blatt: Die Rohstoffe für Messing, nämlich Zink und Kupfer, konnten nicht mehr so leicht beschafft werden, weil die Regionen, aus denen sie kamen, das Fürsterzbistum Salzburg nicht mehr beliefern wollten. Die Minen, die im Land Salzburg lagen, gaben nicht genug her, um die Ebenauer Mühlen gewinnbringend zu betreiben und so kam man in Ebenau in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Schrittweise wurden die Gießereien und Hämmer verkleinert, verkauft oder stillgelegt. Der Vorteil der Wasserkraft und der Kohle aus den Wäldern Ebenaus wurde von neuen technischen Entwicklungen überholt. Schließlich wurde 1844 die Messinghütte und 1875 auch der Kupfer- und Eisenhammer geschlossen.

Vermutlich vermisst heute niemand mehr in Ebenau die rauchenden Schlote der Messingöfen und Waffenschmieden der Vergangenheit. Einige Mühlen und Gebäude der alten Zeit sind jedoch erhalten geblieben. Zum Beispiel das Haus, in dem heu-te das Ebenauer Gemeindeamt untergebracht ist: Es wurde im Jahr 1634 zur Hochzeit der Industrie im Ort erbaut. Auf der Nordseite des Hauses ist bis heute das Wappen von Erzbischof Paris Lodron zu sehen. Geblieben sind zum Glück auch die Bäche und Wälder, in denen rund um das PUR viele Abenteuer zu erleben waren.

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Versucht, diese Welt ein wenig besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

Robert Baden-Powell



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